Klingenberg
Eine der Perlen am Main ist das Städtchen Klingenberg, das unter Weinkennern weit über die Landesgrenzen hinaus für seinen hervorragenden Rotwein bekannt ist. Der Weinanbau auf den terrassierten Steilhängen hat die Geschichte des am Fuße der Clingenburg gelegenen Ortes entscheidend mitgeprägt. Auf der 30 Hektar bewirtschafteten Rebfläche werden insgesamt 23 Hektar Rotwein angebaut, darunter hauptsächlich die Sorten Spätburgunder und Portugieser. Die intensive Sonneneinstrahlung auf den Buntsandsteinböden der Terrassensteillagen und das milde Maintalklima verleihen den Klingenberger Roten ihre Klasse. Die Qualität des Klingenberger Weines wussten auch in früheren Zeiten viele Persönlichkeiten zu schätzen. Ob Conradus Colbo, der Mundschenk Kaiser Barbarossas oder der Schwedenkönig Gustav Adolf oder König Ludwig von Bayern I., alle ließen sich den edlen Roten munden.
Tongrube brachte früh Reichtum
Mag der Wein das Städtchen Klingenberg berühmt gemacht haben, reich wurde der Ort durch das wertvolle Tonvorkommen, das die Kommune seit Anfang des 18. Jahrhunderts abgebaut hat. Zeitweilig genossen die Klingenberger Bürger sogar Steuerfreiheit und strichen erträgliche Renditen in Form eines „Bürgergeldes“ aus dem Tonabbau ein. Auch Investitionen in die Infrastruktur wie Schule, Brücke, Kanalisation konnten finanziert werden, ohne die Bürger finanziell zu belasten. Doch mit dem Beginn des ersten Weltkrieges hatten diese fetten Jahre ein Ende gefunden. Auch heute wird der Klingenberger Ton, der für die Herstellung von Bleistiftminen eingesetzt wird, in alle Herren Länder exportiert. Das Tonbergwerk kann über einen sehr schönen Wanderweg erreicht werden, der durch Klingenbergs Wälder und Weinberge führt. Der Schacht des Bergwerks reicht 70 Meter in die Tiefe und einige hundert Meter in den Berg hinein. Die einzigartige Mischung, die vor 5 – 10 Millionen Jahren entstanden ist, macht den Ton noch immer sehr begehrt, auch wenn diese Art Ton seit dem zweiten Weltkrieg für viele Anwendungen durch Kunststoffe ersetzt wurde.
Die Clingenburg wurde um 1170 vom Mundschenk Kaiser Friedrich Barbarossas, Conradus Colbo erbaut. An ihrem Fuße entstand durch Ansiedelung von Handwerkern, Fischern und Winzern die heutige Altstadt Klingenbergs. Ab 1505 wurde die gesamte Stadt dem Erzbistum Mainz einverleibt und dadurch zur mainzischen Amtsstadt mit Verwaltung und Kellerei. Im Jahre 1814 fiel Klingenberg an das Königreich Bayern. Die geringen Ausdehnungsmöglichkeiten zwischen Berg und Main verhinderten eine größere Einwohnerzahl im ursprünglichen Klingenberg. Ein Rest des früheren Schlossparks ist der herrlich angelegte Rosengarten hinter dem Rathaus, in dem im Sommer gelegentlich Platzkonzerte stattfinden.
Clingenburg
Nur noch eine Ruine ist die 1170 erbaute Clingenburg, die stolz über die Stadt wacht und weithin vom Maintal aus zu sehen ist. Doch die alten Gemäuer, einen Teil des Geländes hat sich die Natur schon wieder zurückerobert, zeugen noch immer eindrucksvoll von der reichen Geschichte Klingenbergs und laden zum Erkunden ein. Bis in Stockwerkhöhe sind Reste der Wohnbauten erhalten, ebenso die Grundmauern des Bergfrieds und Teile des Berings. Dieser schließt im Westen an die Reste der Stadtmauer mit dem Brunnentor aus dem 15. Jahrhundert an. Durch Heirat kommen die Edelherren von Bickenbach in den Besitz von Burg und Herrschaft. Sie residieren 250 Jahre in Klingenberg. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Burg von den Franzosen zerstört. Doch die Burgruine ist nicht dem Verfall preisgegeben. In ihren Mauern finden im Sommer stimmungsvolle Feiern statt und als überregional bedeutende kulturelle Veranstaltung die Clingenburg-Festspiele.
Ringwallanlage
An die Burg grenzt eine Ringwallanlage an, deren Entstehungsgeschichte bis heute noch Rätsel aufgibt. Die Anlage besteht aus einem äußeren, großen Bering und einem Kernwerk. Im Zentrum dieses Ringwalls befindet sich der 1903 errichtete Aussichtsturm. Der Turm ist nicht nur wegen der guten Aussicht, die man in luftiger Höhe genießt, ein lohnenswertes Ausflugsziel. Zu seinen Füßen steht eine bewirtschaftete Schutzhütte des Wandervereines. Geöffnet hat das Lokal mittwochs, samstags und sonntags sowie an Feiertagen. Von der Burg aus, an der einige kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen, ist es nur eine kurze Wanderung durch den Wald – zur Auswahl stehen mehrere Fußwege – bis zum Aussichtsturm.
Altstadt
Beschaulich geht es in der mittelalterlichen Altstadt Klingenbergs mit ihren vielen Fachwerkhäusern und beschaulichen Gassen zu. Im Schutze der bis in das Tal hinabreichenden Flankenmauern der Clingenburg siedelten sich Bedienstete und Handwerker an. In ihrer heutigen Form wurde die Altstadt aufgebaut, nachdem sie im Markgräflerkrieg 1560 zerstört worden war. Nach der Zerstörung ließ Amtmann Johann Leonhard Kottwitz von Aulenbach das Stadtschloss errichten, das 1693 in den Besitz der Freiherrn von Mairhofen überging. Wie das ehemalige Stadtschloss sind auch viele andere Häuser der verkehrsberuhigten Altstadt fachgerecht restauriert und saniert worden und geben dem Städtchen ein unverwechselbares Flair. Im Sommer laden Tische und Stühle vor vielen Lokalen zum Draußensitzen ein. Das alte Rathaus in der Lindenstraße, ein imponierender Fachwerkbau, wurde später als Kinderverwahranstalt, Postamt sowie als Büro- und Bankgebäude genutzt.
Pfarrkirche St. Pankratius
Von Weinbergen umgeben liegt die katholische Pfarrkirche Sankt Pankratius etwas erhöht über der Altstadt. Sie wurde 1575 als Grabkapelle der Adelsfamilie Kottwitz von Aulenbach errichtet. Heute präsentiert sich die Ausstattung der Kirche neugotisch. Das Epitaph des Stifters Hans Leonhard Kottwitz von Aulenbach und seiner Gattin Brigitta von Ehrenberg und das des Augustin Maximilian, Freiherr von Mairhofen, sind sehenswerte Steinmetz-Arbeiten aus heimischem Buntsandstein. Auch der Kreuzweg aus dem Jahre 1905 des Bildhauers Heinz Schiestl aus Würzburg ist sehenswert.
