Michelstadt
Das "kleinstädtische Charakterbild von seltener Liebenswürdigkeit" der Stadt Michelstadt wird geprägt von zahlreichen, sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Das weltberühmte Fachwerk-Rathaus drückt der beeindruckenden Altstadt seinen Stempel auf.
741 erstmals urkundlich erwähnt, war Michelstadt vermutlich aus einer römischen Siedlung hervorgegangen
In der Frankenzeit war die Stadt Mittelpunkt der Besiedlung im oberen Mümlingtal, fränkisches Königsgut und Stützpunkt an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen.
Aus dem Brauch, die Brunnen der Stadt an Pfingsten alle mit Blumen zu schmücken, entwickelte sich der Michelstädter Bienenmarkt, heute eines der größten Volksfeste im Odenwald.
Die Burg ging aus einem alemannisch-fränkischen Gutshof hervor und wurde zum Zufluchtsort für die Bewohner der Umgebung ausgebaut.
Die Altstadt beherbergt eine Vielzahl hessisch-fränkischer Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Von der einst mächtigen Stadtmauer ist heute der größte Teil noch erhalten. Abt Gerbodo vom Kloster Lorsch errichtete eine Burganlage an der Stelle eines Maierhofes. Der Bayernherzog Pfalzgraf Rudolf ließ Burg und Stadt 1307 zerstören, nachdem es zu Erbstreitigkeiten gekommen war. Ab 1311 begann der Wiederaufbau. Die Grafen ließen von 1395 - 1400 eine kreisförmige Ringmauer um die Stadt und die Burg errichten. Mächtige Teile der Mauer blieben bis heute erhalten.
Der so genannte Diebsturm gehörte vermutlich zum Bergfried der vorfränkischen Burg in Michelstadt. Seit 1312 diente er als Kerker des Centgerichts und wurde ab 1400 gleichzeitig als Wehrturm eingesetzt. Am Turm befindet sich ein römisches Reliefbild des Gottes Merkur. 1793 stürzte der Turm ein und wurde 1972 von der Stadt Michelstadt wieder instandgesetzt. Mit einem Aufbau versehen und an den Wehrgang angeschlossen, wurde der Turm begehbar gemacht.
Die gräfliche Kellerei war eine ehemalige Burg der Reichsabtei Lorsch. Die Gebäude, die um einen großen Innenhof gruppiert sind, stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Älter ist nur das Untergeschoss des mittleren Gebäudes, dessen Bau aus dem 14. Jahrhundert datiert.
An der Westseite befindet sich der 1517 gebaute Zentspeicher, ein Bau aus der Zeit der Gotik mit Giebeldach und Renaissance-Treppenbau. In diesem Gebäude ist heute das Regional- und Spielzeugmuseum.
An der nördlichen Seite finden wir das 1549 errichtete und 1621 umgestaltete Amtshaus.
Der Marktbrunnen ist der schönste von zahlreichen Brunnen in der Stadt. Er wurde 1575 von Graf Georg III. gestiftet. Das Standbild zeigt den Erzengel Michael mit Schwert, Seelenwaage und Luzifer. Der Engel wurde zu Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit, umgearbeitet.
Der älteste Brunnen Michelstadts, im Volksmund Schwiegermutterbrunnen genannt, steht vor dem Haus “Große Gasse 14”.
Das ehemalige Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ mit seinen mächtigen Steinmauern wurde 1755 erbaut. Hier war die Station für den Liniendienst der Postkutsche, Pferde wurden hier gewechselt und Nachtquartiere zur Verfügung gestellt. Heute ist hier die Tourist-Information beheimatet.
Das historische Rathaus am Marktplatz gehört zu den ältesten und schönsten Fachwerkrathäusern Deutschlands. Es wurde 1484 auf hölzernen Ständern errichtet. In der offenen Halle wurden Gerichtssitzungen abgehalten, bei schlechtem Wetter fand hier der Markt statt. Im Rathaussaal im oberen Stock fanden bis zur kommunalen Gebietsreform 1973 die Sitzungen der Stadtverordneten statt. Sie wurden jeweils durch das Läuten der Rathausglocke eröffnet. Heute wird der Saal für festliche Gelegenheiten genutzt.
Der Chor der spätgotischen, dreischiffigen Basilika stammt von 1461, das Langhaus von 1475. 1500 wurde mit dem Bau des Westgiebels begonnen. 1542 wurde an das südliche Seitenschiff die Eberhardskapelle angebaut. In der Kirche befinden sich bedeutende Grabdenkmäler der Familie Erbach.
Das Glockenspiel wurde 1913 gestiftet und nach dem Krieg erneuert. Im oberen Turmgeschoss befand sich eine von Nikolaus Matz 1499 gestiftete Kirchenbibliothek, die heute in der ehemaligen Remise von Thurn und Taxis untergebracht ist.

Einhardsbasilika
Die Einhardsbasilika im Ortsteil Steinbach (Einhardstraße 12) gilt als eines der besten Beispiele für einen Kirchenbau und als einer der bedeutendsten Kirchen aus karolingischer Zeit. Sie ist ferner eine der ältesten karolingischen Basiliken nördlich der Alpen.
Einhard, um 770 geboren, war fränkischer Gelehrter, Geschichtsschreiber und Ratgeber Karl des Großen. Er verfasste auch dessen Biographie, das berühmteste Werk der fränkischen Geschichte.
Die Basilika wurde später von Benediktinern übernommen, war ab 1232 Nonnenkloster und diente als Grablege derer zu Erbach. Ab 1542 wurde sie als Spital genutzt.
Besichtigung von März bis Oktober täglich 10 - 12 Uhr und 13 - 17 Uhr (außer montags), November bis einschl. Februar 11 - 15 Uhr.
Das Schloss Fürstenau im Ortsteil Steinbach wurde um 1300 als Wasserburg des Mainzer Erzbischofs angelegt. Noch heute wohnt hier der Graf zu Erbach-Fürstenau. Das alte Schloss bezieht den Wehrbau aus dem 14. Jahrhundert ein. Es hat drei Flügel, die früher von Wassergräben umgeben waren. 1810 wurde das Neue Palais erbaut. Hinter der Brücke steht der 1756 entstandene Gartenpavillon. Die Orangerie entstand um 1830.
Öffnungszeiten Burghof täglich 9 - 16 Uhr, Eintritt frei.
