Perle des Mains und "Herz Deutschlands"
Miltenberg
Die romantische Miltenberger Altstadt schmiegt sich zwischen Main und Berg auf einem langen, schmalen Streifen zu Füßen der Mildenburg.
Schon die Menschen der Vor- und Frühgeschichte wussten um die strategische Bedeutung des Engpasses am Mainknie zwischen Odenwald und Spessart und errichteten mächtige Ringwälle auf dem Greinberg oberhalb Miltenbergs und auf dem Bürgstadter Berg. Um 155 n. Chr. schlossen die Römer hier den fast schnurgerade nach Süden verlaufenden "vorderen Limes" an den Main an. Den Übergang vom Main auf das Land sicherten sie durch zwei Kastelle. Die Kreisstadt liegt nicht nur an der "Limesstraße". Hier trifft auch die von Worms nach Würzburg führende "Nibelungenstraße" auf den Main. Als bisher einzige bayerische Stadt gehört Miltenberg zur "Deutschen Fachwerkstraße".
Der Gast findet sich heute inmitten einer lebendigen und romantischen Stadt wieder, in der das Mittelalter noch erlebbar ist in den schmalen Gassen und stillen Winkeln. Das reichhaltige Fachwerkensemble bildet eine herrliche Kulisse, dazu Sehenswürdigkeiten wie aus dem Bilderbuch. Die Bürgerhäuser sind Zeugnisse einer reichen Vergangenheit, die man der günstigen Verkehrslage und dem ausgedehnten Weinbau und Weinhandel verdankte. Der Marktplatz mit dem Marktbrunnen gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten dieser Art im Lande.
Wegen ihrer zahlreichen, repräsentativen Fachwerkbauten wird Miltenberg auch "Stadt in Holz" genannt. Die Bürger profitierten vom Waldreichtum der Stadt, denn sie bezogen ihr Bauholz kostenlos aus dem Stadtwald.
Um das Jahr 1200 ließen die Mainzer Erzbischöfe die Mildenburg erbauen und sicherten damit ihre einträgliche Zollstelle im Tal gegen begehrliche Nachbarn ab. Hier trafen wichtige Handelsstraßen aus Nürnberg oder vom Neckar auf den schiffbaren Main. Zu nennen ist auch noch der Eselsweg, eine von Bad Orb auf dem Spessartkamm an den Main ziehende Salzstraße - heute eine populäre Wanderroute. Unterhalb der Burg entwickelte sich schnell eine Siedlung, die bereits 1237 als Stadt erwähnt wird. Begünstigt durch den stark zunehmenden Handel und die optimale Verkehrslage entwickelte sich die Stadt sehr rasch. Das Würzburger und das Mainzer Tor markieren die schon 1379 erreichten Grenzen der mittelalterlichen Altstadt.
Vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten über 100 Bürgerfamilien vom Weinbau. Handel, Transportgewerbe (Schiffer und Fuhrleute) und Sandsteinabbau waren weitere Stützen der Miltenberger Wirtschaft. Es lebten keine Bauern in der Stadt, denn das Brotgetreide wurde vornehmlich aus Frankfurt bezogen. Im 18. Jahrhundert dominierten die Schiffer im Wirtschaftsleben.
Im 14. Jahrhundert förderten die Mainzer Kurfürsten ihre Stadt Miltenberg durch wichtige Privilegien. Seit 1354 durften die Erzbischöfe hier Münzen prägen (bis 1462). Von Kaiser Karl IV. ließ der einflussreiche Erzbischof seiner Stadt 1367 eine zehntägige Messe verleihen, die noch heute in der Michaelismesse weiterlebt. Das Ende August beginnende Volksfest ist die größte derartige Veranstaltung am Bayerischen Untermain.
Mildenburg
Der Bergfried und die Ringmauer sind die ältesten noch erhaltenen Teile der um 1200 erbauten Mildenburg. Die nachfolgenden mainzischen Landesherrn erweiterten sie immer wieder. Bei der Erstürmung der Stadt im so genannten Markgrafenkrieg 1552 erlitt die Burg erhebliche Schäden. Unter Erzbischof Brendel von Homburg erfolgte der Wiederaufbau im Renaissancestil.
Bis ins 18. Jahrhundert hatte hier der Burggraf oder Amtmann als Vertreter des Landesherrn seinen Verwaltungssitz. Um 1730 zog er in den Adelshof im Schwarzviertel unterhalb der Burg um. Danach überließ man den südlichen Teil der Burg dem Verfall. Als Rechtsnachfolger der Mainzer Erzbischöfe erhielt der Fürst von Leiningen 1803 auch die Mildenburg. Er verkaufte die für ihn nutzlose Anlage 1807 an Carl Gottlieb Horstig, einen pensionierten Konsistorialrat aus Lippe.
Seit 1979 ist die Burg im Besitz der Stadt Miltenberg.
Marktplatz - "Schnatterloch"
Als weltberühmtes Postkartenmotiv ist der Marktplatz Miltenberg überall bekannt. Für Elly Heuss-Knapp, die Gattin des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss und Miltenberg-Besucherin seit ihrer Kindheit, bedeutete der Marktplatz "das deutsche Mittelalter schlechthin". Der Name "Schnatterloch" kommt vom mittelhochdeutschen Begriff "snade" für Schneisse, Einschnitt zwischen zwei Bergen bzw. Grenze. Der "Einschnitt" ist heute noch durch die so genannte Klinge markiert, die in regenreichen Zeiten manchmal erheblich Wasser führt. Der 1583 im Stil der Renaissance errichtete Marktbrunnen kündet vom damaligen Wohlstand der Stadt und von der Kunstfertigkeit des Bildhauers Michael Juncker. Die den Platz umrahmenden, hochgiebeligen Fachwerkhäuser gehören zum Schönsten, was die Stadt zu bieten hat. Die "Alte Amtskellerei", die heute eines der schönsten bayerischen Museen mit dem rätselhaften Toutonenstein beherbergt, ist eine Spitzenleistung fränkischer Zimmermannskunst des 16./17. Jahrhunderts und ein Zeugnis selbstbewussten Bürgertums. Die alte Lateinschule schließt sich bergwärts an. Sie wird gerade saniert und soll später als Erweiterung des Museums dienen. Das gegenüberliegende ehemalige "Gackstättische Haus" - heute "Weinhaus am Markt" - mit seinem polygonen Erker, erbaute ein wohlhabender Bürger im Jahr 1508. Urwüchsiger, aber auch viel älter, ist das benachbarte "Haus Brunn" aus dem frühen 14. Jahrhundert.
An der Nordseite des Platzes steht das Geburtshaus des Komponisten Joseph Martin Kraus (1756-1792), einer der wenigen barocken Steinbauten der Stadt.
Adelshof - ehemaliges Oberamt
Im Schwarzviertel stößt der Besucher auf einen stattlichen dreigeschossigen Bau mit einem Wendeltreppenturm. Seit dem Mittelalter befand sich an diesem Platz ein Adelshof, der 1679 von den Herren von Fechenbach umgebaut wurde. Der Mainzer Erzbischof erwarb den Bau im 18. Jahrhundert und etablierte hier den Amtmann mit seiner Verwaltung. Über 200 Jahre wurde von hier aus das Amt bzw. der Landkreis "regiert".
Mainzer Tor und Laurentiuskapelle
Das 1379 erstmals erwähnte Mainzer Tor begrenzte die Stadtmauer im Westen. Über der Tordurchfahrt prangt das Wappen des Mainzer Erzbischofs Adolf von Nassau, in dessen Regierungszeit (1371-1390) der mächtige Turm erbaut wurde.
Wenige Meter davon entfernt steht die Laurentiuskapelle. Sie wird 1380 erstmals erwähnt. Der gotische Chor stammt aus dem Jahr 1456, das Langhaus im Renaissancestil baute man 1594 an. Grabsteine und Epitaphien des Friedhofs zeugen vom hohen Stand der lokalen Steinmetzkunst des 16. bis 20. Jahrhunderts. Besonders hervorgehoben sei der Epitaph für Jost Virnhaber, den 1600 verstorbenen Riesenwirt, an der Südseite des Chors. Er dürfte sicherlich einem Künstler aus der Miltenberger Bildhauerfamilie Juncker zuzuschreiben sein.
Altes Rathaus
Das mächtige, multifunktionale Gebäude entstand im Jahr 1379. Es vereinte den Rats- und Tanzsaal, die Stadtwaage und Lagermöglichkeiten unter seinem Dach. Die fremden Kaufleute durften ihre Ware nur hier unterstellen und waren so der Kontrolle durch den Rat unterworfen. Im 18. Jahrhundert brachte der Rat hier das Gymnasium unter. 1983 eröffnete man das Gebäude nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder als zentralen Veranstaltungsraum der Stadt.
Gasthaus "Zum Riesen"
Das älteste Gasthaus Deutschlands nimmt im Stadtgrundriss eine hervorgehobene Position ein, der den besonderen Stellenwert des Gebäudes unterstreicht. Der jetzige Bau stammt aus dem Jahr 1590 und wurde im Anfang von Jost Virnhaber durch den Architekten und Zimmermann Jacob Stoer errichtet.
Pfarrkirche St. Jakobus
Die Pfarrkirche wurde seit dem 13. Jahrhundert mehrfach umgebaut. Prägend für das Stadtbild sind die um 1830 neuerbauten klassizistischen Türme. Das Kircheninnere birgt hochwertige Kunstwerke aus den Blütezeiten der Stadt.
Kirche des Franziskanerklosters
Die seit 1630 in der Stadt wirkenden Franziskaner konnten erst 1660 mit dem Bau der Klosteranlage beginnen. Das Westportal der Kirche stiftete der Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Schönborn aus seiner Privatschatulle.
Kirche St. Johannes
Die sich gut ins Stadtbild einfügende Johanneskirche wurde 1897 von der damals noch nicht selbstständigen, jungen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde erbaut. Die Großzügigkeit privater Spender machte diesen Bau erst möglich.
Würzburger Tor
Das 1379 erstmals erwähnte Osttor der Stadt besaß ursprünglich eine Geschützplattform mit Zinnenkranz, da diese Stadtseite am meisten gefährdet war. Allerdings wurde der Turm schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts überdacht. In den mächtigen Hakensteinen außen und innen liefen die Holzgatter auf und nieder.
